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Adieu - zu Gott - Gott befohlen

Adieu -  zu Gott - Gott befohlen
Adieu -  zu Gott - Gott befohlen
© ak

Adieu – zu Gott – Gott befohlen

Liebe Leserinnen und Leser!

Längere Zeit habe ich überlegt, was ich nach mehr als 35 Jahren noch einmal als Geleitwort im Pfarrbrief schreiben soll - viele Gedanken gingen mir dabei durch den Kopf. Schließlich habe ich mich entschieden, es mit dem oben genannten Abschiedsgruß „Adieu“ zu tun.

Bis in das Jahr 1914 war das in Deutschland der am meisten verbreitete Gruß, so habe ich gelesen. Er leitet sich aus dem lateinischen „ad deum“ – zu Gott – ab. Und ganz ähnlich heißt es im Italienischen „addio“  oder im spanischen „adiós“. Auch das im süddeutschen Sprachraum gebräuchliche „ade“ hat die entsprechende Wurzel.

Ich verbinde mit diesem Gruß Zweierlei:

Einmal ist es meine Dankbarkeit: Dank an Gott. Er hat mir die vielen Jahre geschenkt und mich vor Schlimmem bewahrt. Er hat mir Kraft geschenkt und mir geholfen, mich den Herausforderungen in meiner Arbeit bei Ihnen, aber auch in den vielen unterschiedlichen Bereichen meiner Tätigkeit als Mitarbeitervertreter zu stellen. So darf ich auf eine gute und erfüllte Zeit zurückblicken. Viele von Ihnen haben mich in diesen Jahren bei so vielen Veranstaltungen unterstützt: Wir haben miteinander viel frohes und erfülltes gemeindliches Leben entfalteten dürfen. Dafür danke ich Ihnen allen von Herzen. Mir hat das Miteinander immer große Freude bereitet, wenn ich auf mehr als einhundert Wochenenden und Wochen von Freizeiten, religiösen Wochenenden mit Firmlingen, Gruppenleitern, Messdiener*innen  denke. Stellvertretend für vieles andere seien auch die Glaubensgespräche bei den Exerzitien im Alltag zusammen mit den evangelischen Kolleg*innen genannt. Mir war die Offenheit und Weite auch zu den anderen Konfessionen immer ein großes Anliegen. Nur im Miteinander können wir heute die frohe Botschaft versuchen lebendig werden zu lassen.

Zum anderen drückt dieser Gruß einen Wunsch, eine Hoffnung für Sie persönlich, die Gemeinden und die Kirche aus. Wir befinden uns in einem massiven Umbruch. Neulich habe ich in bei dem tschechischen Theologen Tómâs Halík gelesen (Die Zeit der leeren Kirchen - Von der Krise zur Vertiefung des Glaubens), dass die heutige Zeit vergleichbar sei mit der Zeit der Reformation. Lange hatten sich damals Missstände in der Kirche aufgestaut. Das Konzil zu Konstanz 1414 bis 1418 hatte versucht einige Probleme zu lösen, was zum Teil auch gelang, etwa das Schisma, dass es drei Päpste gab. Aber entscheidende Glaubensfragen blieben unbehandelt. Der Ablasshandel brachte dann das Fass zum Überlaufen.

Mich erinnert das an die Zeit des 2.Vatikanische Konzils, wo es auch einen neuen Aufbruch gab, aber Altes und Neues wurde unvermittelt nebeneinander gesetzt, wie etwa Kirche als Volk Gottes und gleichzeitig als hierarchisch monarchische Institution. „Die Tragik der zweiten Kirchenversammlung  im Vatikan liegt darin, dass der Schatten der ersten übermächtig geblieben ist, so der emeritierte  Regensburger Dogmatiker Wolfgang Beinert im März Heft 3/2021 der Herder Korrespondenz. Deutlich wurde das etwa an der durch Rom  ausgebremsten Würzburger Synode 1971 – bis 1975, wo mit viel Begeisterung eine erneuerte Kirche für Deutschland auf den Weg gebracht worden war. Aber in Rom verschwanden die Beschlüsse im Aktenschrank -oder gar im Reißwolf?

Der umfängliche Missbrauchsskandal hat schließlich in unseren Tagen das Fass zum Überlaufen gebracht. Viele Menschen haben enttäuscht und auch traurig der Kirche den Rücken gekehrt. Die weiter dabei bleiben lassen sich nicht mehr mit „Reförmchen“ abspeisen oder in die Zukunft vertrösten. Glücklicherweise haben das zumindest bei uns auch Bischöfe inzwischen erkannt. Das ist die Wirklichkeit auch in unseren Gemeinden. Die Corona-Pandemie hat dabei vermutlich die Entfremdung von Menschen mit der Kirche weiter zugespitzt. All die nötigen Reformen müssen die heutigen Fragen und Probleme in den Blick nehmen und so den Blick auf Gott hin weiten. Da ist auch einiges an „theologischer Aufräumarbeit“ zu leisten, wie es der katholische Dogmatiker Magnus Striet im Gespräch im Deutschlandfunk einmal sagt. Das wird bedeuten, Abschied zu nehmen von Vertrautem und lieb Gewordenem. Schaut man in die zweitausendjährige Kirchengeschichte ist das gar nichts Neues und  Krisen sind überhaupt nichts Fremdes. Wir  dürfen getrost und voller Hoffnung neue Wege gehen, ohne Scheu vor Fehlern.

Mit dieser Hoffnung, dass Sie weiterhin einen guten und engagierten Weg gehen werden  verabschiede ich mich und werde offiziell verabschiedet in einem Gottesdienst am Sonntag, 4. Juli um 16 Uhr in der Pfarrkirche St. Marien, Neu-Anspach. So sage ich Adieu – zu Gott – Gott befohlen,  mit einem weinenden und lachenden Auge und grüße Sie alle ganz herzlich!

 

Ihr Thomas Klix, Pastoralreferent

 

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