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Unsere Georgskirche

Unsere Georgskirche
Unsere Georgskirche
Unsere Georgskirche von Norden (2020) © Elmar Feitenhansl
© Elmar FeitenhanslSt. Georg

Die Sankt-Georgs-Kirche Pfaffenwiesbach ist die Kirche des Kirchorts Pfaffenwiesbach, zu dem die Wehrheimer Ortsteile Pfaffenwiesbach und (seit 1976) Friedrichsthal gehören.

Hauptpatron der Kirche ist der Hl. Georg (urkundlich nachgewiesen seit 1681), Nebenpatronin die Hl. Barbara (urkundlich nachgewiesen seit 1711); beide gehören zu den Vierzehn Nothelfern und sind christliche Märtyrer des 4. Jahrhunderts. Der Hl. Georg als "Gottesstreiter" lädt uns immer wieder neu ein, seinem Vorbild gemäß den Glauben als Schutzschild im Kampf gegen die "Drachen" unserer Zeit (das Böse, das in ganz verschiedenen Erscheinungsformen auftritt) zu ergreifen - wie es der Epheserbrief sagt: "Seid also standhaft: Gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen. Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen." (Eph 6,16).

Die Andachtskapelle der Pfaffenwiesbacher Kirche ist täglich von 7 - 20 Uhr für Gebet und Besichtigung geöffnet (Zugang über das Hauptportal); dort können auch Kerzen entzündet werden.

© unbekanntAußenansicht von Westen um 1910
© unbekanntAußenansicht von Westen um 1910
© unbekanntAnsicht von Nordosten (1913)
© unbekanntAußenansicht der Kirche von Südosten und Innenansicht (1928)
© Wilfried EndleinAnsicht der Kirche von Südwesten (um 2015)
© Elmar FeitenhanslAnsicht der Kirche von Nordosten (2012)
© Elmar FeitenhanslSpolienstein (Gewölbestein) aus der alten Kirche (auf der Nordseite der Kirche vermauert) 2017
© Elmar Feitenhansl

Die Georgskirche ist eine neuromanische Hallenkirche aus grobem Bruchsteinmauerwerk bzw. heimischen Grauschiefer, der südöstlich von Pfaffenwiesbach in der sog. "Steinkaut" (heute Grillplatz) gebrochen wurde. Das aus insgesamt vier Teilen (Westbau, Langhaus, Chorraum, Sakristei) bestehende Gebäude, das eine "Gottesburg" symbolisiert, wird durch Pilaster und Lisenen gegliedert. Fensterrahmen und Gesimse bestehen aus Miltenberger Sandstein.

Dem Kirchenschiff ist ein zweistöckiger Westbau vorangestellt, aus dem mittig der Glockenturm mit dreifenstrigen Schallarkaden und einem rheinischen Rhombendach aufsteigt. Gerade im Bereich des Westwerks werden die Wandflächen durch Pilaster abgeschlossen, die aus besonders behauenen Steinen (sog. "Bossensteinen") bestehen; diese sind gestaltprägend für das gesamte Gebäude.  Die Uhr an der Westseite des Turmes stammt aus dem Jahr 1985; das Zifferblatt allerdings wurde im Zusammenhang mit der Außenrenovierung der Kirche im Jahr 2016 erneuert (das alte versteigerte man; es hängt nun im Wohnzimmer einer Pfaffenwiesbacher Familie); auch Kreuz und Wetterhahn auf dem Turm wurden 2016 instand gesetzt. Über dem Hauptportal im Westen mit einer auf die Erbauungszeit der Kirche (1859-61) verweisenden Marmortafel und einem Sandsteinkreuz oberhalb der Giebelwand (eine Stiftung des damaligen Herzogs von Nassau-Usingen) befindet sich eine Rosette.

Das Langhaus besteht aus vier Jochen, die jeweils durch vier große Rundbogenfenster gegliedert werden. Auf dessen Nordseite befindet sich am dritten Pilaster (d. h. zwischen drittem und viertem Fenster, ca. 6m vom Sakristeianbau entfernt) ungefähr in 1,35 m Höhe ein 57 cm langer, 20 cm hoher und 14 cm tiefer "Spolienstein" (d. h. ein Gewölbestein) aus Basalt, der noch Spuren rötlicher Farbgebung zeigt und wahrscheinlich aus der Vorgängerkirche stammt; die jüngste Außenrenovierung der Kirche (2015 bis 2021) ließ diesen leider zusammen mit dem (sehr bröckeligen) Bruchsteinmauerwerk  hinter einem Verputz verschwinden.

An das vierjochige Langhaus schließt sich im Osten der zweijochige Chorraum an, der auch durch Pilaster, Lisenen und je zwei große Rundbogenfenster gegliedert wird und der mit einem fensterlosen 3/8-Abschluss abschließt.

Im Nordosten befindet sich noch die Sakristei, der man auch nach der Außensanierung noch ihre drei unterschiedlichen Bauphasen (1958 nach Norden und 1973/74 nach Westen hin erweitert) ansieht.

© Elmar Feitenhansl (abfotografiert)Innenansicht der Georgskirche mit geschlossenem Hochaltar (1928)
© Elmar Feitenhansl (abfotografiert)Innenansicht der Georgskirche mit geschlossenem Hochaltar (1928)
© unbekanntInnenansicht der Kirche (1952)
© unbekanntInnenansicht der Kirche (1959)
© Elmar FeitenhanslInnenansicht der Kirche (2018)
© Elmar Feitenhansl

Wer die Kirche durch das Hauptportal und die Vorhalle betritt, gelangt in einen großzügigen und hellen Innenraum. Auch hier fällt wiederum die Gliederung der Wandflächen durch Lisenen und Pilaster auf. Im Langhaus unterteilt ein umlaufendes Sims den Raum in ein "Oben" und "Unten". Durch einen Triumpfbogen fällt der Blick in den Chorraum der Kirche mit dem neugotischen Hochaltar im Zentrum.

Kreuzrippengewölbe finden sich nur in der Vorhalle bzw. im Chor, deren blaue Farbfassung den Himmel symbolisieren soll. Die Andachtskapelle hat ein Tonnengewölbe, das übrige Gebäude ist in Fachwerk-Technik flach gedeckt.

Nachdem fast die gesamte neugotische Ausstattung der Kirche den Modernisierungsbestrebungen 1958/59 zum Opfer gefallen war, wurde ab 1982 damit begonnen, die Kirche wieder so weit wie möglich mit originalen Ausstattungsstücken einzurichten. Neben dem Hochaltar, den beiden Orgeln und den Glocken, denen eigene Beiträge gewidmet sind (vgl. weiter unten), sind hier besonders zu erwähnen:

  • ein spätgotischer, kelchförmiger, achteckiger Taufstein aus Sandstein, früher in der Taufkapelle, seit 1995 vor dem Patronatsaltar aufgestellt, mit Steinmetzarbeiten (u. a. Dreipassbögen) an Fuß und Konus; die Kupferabdeckung stammt von H. Lauth (1963);
  • die barocke Reiterstatue des Hl. Georg, der den Drachen tötet, restauriert 1973 und 2002; die Statue bildet seit 2003 das Zentrum des Patronatsaltars;
  • die neobarocke Madonnenstatue (1869) des Bildhauers Everts aus Münster, die seit 1958/59 den Mittelpunkt des Marienaltares bildet; 2003 wurde der Marienaltar von der rechten auf die linke Seite verlagert;
  • die Kreuzwegstationen, geschaffen durch den Kronberger Bildhauer und Vergolder Georg Monken in den Jahren 1880–85 (nach Auslagerung in den Jahren 1982 [P. Müller] sowie 2001 und 2014 [E. Sommer] restauriert);
  • eine Statue der Hl. Caecilia (Patronin der Kirchenmusik) in der Brüstung der Orgelempore (gespendet 2013);
  • die beiden Statuen der Pfarreipatrone St. Franziskus und St. Klara an den Wänden des Langhauses (gespendet 2013);
  • die Andachtskapelle, eingerichtet 2000–2001 in der ehemaligen Taufkapelle, u. a. mit einer Pietá von C. Weis (1919);
  • das Missionskreuz von C. Weis aus dem Jahr 1893 unter der Orgelempore (hing vorher auf der gegenüberliegenden Seite);
  • der Beichtstuhl (H. Sattler, 1943, 2002 restauriert) unter der Orgelempore.

Im Jubiläumsjahr 2012 (bis Juni 2014) war in der Vorhalle der Kirche über der Glas-Schwingtür die große Fotografie eines Ölgemäldes angebracht, das den Hl. Georg als Drachentöter in einer Fantasielandschaft zeigt; das originale, für den damaligen Pfarrsaal in der ehem. Pfarrscheune geschaffene Ölgemälde von J. Sommer (1932) existiert leider nicht mehr.

Weitere Informationen zum Innenraum und zur Ausstattung finden Sie nachfolgend in einer pdf-Datei.

Rundgang durch unsere St. Georgskirche (pdf)
© unbekanntHochaltar (1. Hälfte 20. Jahrhundert)
© unbekanntHochaltar (1. Hälfte 20. Jahrhundert)
© unbekanntHochaltar - geöffneter Zustand (1952)
© unbekanntHochaltar - geöffneter Zustand (1985)
© unbekanntHochaltar - geschlossener Zustand (1985)
Inneneinrichtung Kirche PW
© Elmar FeitenhanslHochaltar - geschlossener Zustand (2014)
© Elmar FeitenhanslHochaltar - geöffneter Zustand (2019)

Der neugotische, fünfteilige Flügelaltar - das Haupteinrichtungsstück unserer Georgskirche - ist ein Werk des Niederlahnsteiner Holzschnitzers Caspar Weis, stammt aus dem Jahr 1891 und war hauptsächlich eine Stiftung des Pfaffenwiesbacher Pfarrers Clemens Breuers und seiner Schwester Maria. Nach einer in den Jahren 1958/59 erfolgten „Modernisierung“, die aber im Grunde den Altar als Gesamtkunstwerk zerstörte, wurde 1985 aus den verbliebenen Resten (Altarkreuz, Retabel, Seitenflügel) und durch Neuanfertigungen (Predella mit Tabernakel, Mittelturm, Bekrönung) ein neuer Altar neugotischen Stils zusammengestellt.

Das Retabel präsentiert rechts und links des Mittelturms vier große Standfiguren: innen (von links nach rechts) die Namenspatrone der Altarstifter (Maria Magdalena und Papst Klemens I.), außen (von links nach rechts) der Hl. Georg (Hauptpatron) und die Hl. Barbara (Nebenpatronin).

Das Kreuzstühlchen im Mittelturm schuf E. Sommer (2000); über dem originalen Alztarkreuz im Mittelturm sind Reste der alten Altarbekrönung verbaut worden.

Die beiden Altarflügel zeigen zwei Szenen der Leidensgeschichte Jesu: links die Kreuzigung und rechts die Grablegung.

Unten an der Predella mit dem tempelartig gestalteten Tabernakel in der Mitte finden sich vier Büsten der Evangelisten, die allerdings ursprünglich zur Altarbekrönung gehört haben.

1997 stellte man als Ersatz für die einstige kunstvolle, 1985 leider nicht mehr im Original zu rekonstruierende Altarbekrönung zunächst drei Figuren wieder auf den Altar (Herz Jesu, Petrus mit dem Himmelsschlüssel [links] und Paulus [rechts]), wobei die beiden Apostelfürsten noch die Originalfiguren des alten Altares sind. 2014 wurden dann noch zwei weitere Figuren (Hl. Theresia von Lisieux und Hl. Martin von Tours) ergänzt; sie sind ebenfalls Werke von Caspar Weis und Überbleibsel des alten Josefsaltares von 1913.

Im geschlossenen Zustand zeigt der Altar links die Hl. Klara von Assisi und rechts den Hl. Thomas von Aquin in Halbplastiken.

© Wilfried EndleinGeorgs- und Barbaraglocke
© Wilfried EndleinGeorgs- und Barbaraglocke
© Elmar FeitenhanslGeorgs- und Barbaraglocke
© Elmar FeitenhanslBarbaraglocke

Im Jahr 1950 schaffte die Kirchengemeinde drei neue Glocken an, gegossen von der Fa. Rincker in Sinn.

Die größte Glocke mit dem Schlagton g′+ 1 (Unterton g° − 2) wiegt 575 kg, hat einen Durchmesser von 990 mm, trägt den Namen des Kirchenpatrons (St. Georg) und hat einen ungewöhnlich langen Nachhall/sek (U/Pr/T = 94/19/15); diese Glocke dient auch als Totenglocke.

Die mittlere Glocke wiegt 344 kg, hat den Schlagton b′ + 8 (Unterton: b° + 2), einen Durchmesser von 836 mm, trägt den Namen „Ave Maria“ („Sei gegrüßt, Maria“ – vgl. Lk 1,28) und dient vornehmlich als Angelus- und Uhrglocke; der Nachhall/sek beträgt U/Pr/T = 56/14/13.

Die kleinste Glocke ist der heiligen Barbara, der Nebenpatronin der Kirche, geweiht, wiegt 237 kg, hat einen Durchmesser von 740 mm, den Schlagton c′′ + 6 (Unterton: c′ − 2) und einen Nachhall/sek von U/Pr/T = 55/19/16.

Das dreistimmige Geläut bringt 1,156t auf die Waage.

Seit 1960 werden die Glocken elektrisch durch Läutemaschinen der Fa. HEW angetrieben.

Ein Forschungsartikel von Elmar Feitenhansl - veröffentlicht in: Heimat- und Verkehrsverein Pfaffenwiesbach e.V. (Hg.), Pfaffenwiesbacher Geschichte und Geschichten (Heft Nr. 11), Pfaffenwiesbach 1998/99, S. 42-52 - beschäftigt sich mit den Pfaffenwiesbacher Glocken und dem mit ihnen verbundenen Brauchtum.

Die derzeitige Läuteordnung sieht derzeit so aus:

  • Das Angelusläuten ist in Pfaffenwiesbach sehr spezifisch: Um 7.00 Uhr, 11.00 Uhr und 18.00 Uhr im Winter/20.00 Uhr im Sommer schlägt nach dem Stundenschlag zunächst die Ave-Maria-Glocke 3x3mal an, dann läutet diese und wird dann schließlich durch die Barbaraglocke abgelöst; dieses Geläut erinnert an die Auferstehung, Kreuzigung und Geburt Jesu Christi und will zum Gebet einladen; in früheren Zeiten diente es freilich auch in Gebieten, die stark landwirtschaftlich geprägt waren, den Bauern als zeitliche Orientierung.
  • Neben dem Gottesdienstgeläut findet weiterhin ein besonderes Geläut als Vollgeläut u. a. statt: am Vortag vor Sonn- und Feiertagen (15.00 Uhr), am Ersten Weihnachtsfeiertag (gegen 19.30 Uhr, sukzessiv, zusammen mit allen Glocken der umgebenden Kirchen und Kapellen) sowie in der Neujahrsnacht (um 0.00 Uhr, mit der Bitte um Segen für das kommende Jahr); der Gründonnerstag wird spätabends (gegen 22.00 Uhr) mit einem Vollgeläut abgeschlossen, der Ostersonntag morgens (gegen 8.00 Uhr) mit einem Vollgeläut eröffnet (in der Zwischenzeit schweigen die Glocken – einschl. des Uhrenschlags – aus Respekt vor dem Leiden und Sterben Jesu und die Glocken fliegen – wie man früher sagte – entweder nach Rom oder „in den Hessbock“, womit die Gemarkung „Hessberg“ an den Schrebergärten gemeint ist).
  • Das Sterbegeläut wird mit der großen Glocke (Georgsglocke) geläutet, die dreimal kurz absetzt.

Pfaffenwiesbacher Vollgeläut (Plenum)

Pfaffenwiesbacher Angelusläuten (dreimal täglich)

© unbekanntErsterwähnung Pfaffenwiesbachs (?) 1167
© unbekanntErsterwähnung Pfaffenwiesbachs (?) 1167
© Elmar FeitenhanslUrkunde über die Beisetzung der Usinger Gräfin Catharina de Glatton in der Pfaffenwiesbacher Kirche (1682)
© Elmar FeitenhanslUrkunde über die Kirch-, Altar-, Glocken- und Friedhofsweihe in Pfaffenwiesbach (1711)
© Elmar FeitenhanslUrkunde über die Weihe der neuen Georgskirche (1862)
© Elmar FeitenhanslSkizze des alten Rosenkranzaltars von C. Weis ohne die später verwirklichten, seitlichen Assistenzfiguren (1889)
© Elmar FeitenhanslSkizze des Josefsaltares von C. Weis ohne die später verwirklichten, seitlichen Assistenzfiguren (1914)

1167 wird in einer Besitzfestschreibung des Bischofs Herold von Würzburg für das Benediktinerkloster Schlüchtern erstmals eine „Basilika in Wisenbach“ (basilicam in wisenbach) erwähnt, bei der es sich wahrscheinlich um eine Landkirche oder eine Kapelle auf dem Gelände eines Gutshofes gehandelt haben dürfte. Leider ist nicht sicher, dass es sich bei diesem 1167 erwähnten Wisenbach überhaupt um Pfaffenwiesbach handelt und damit nicht eher der Ort Weißenbach bei Bad Brückenau gemeint ist.

Bis ins 16. Jh. hinein verlieren sich dann die Nachrichten über eine Kirche vor Ort im Dunkel der Geschichte – bis auf den spärlichen Hinweis aus der Kransberger Chronik C. Walthers, dass es in Pfaffenwiesbach bereits vor der Einführung der Reformation (1541) eine Kirche mit zwei Altären gegeben habe. Ein (allerdings nur vermuteter) spätgotischer Neubau, von dem auch der noch erhaltene Taufstein stammen könnte, ist aus politischen, wirtschaftlichen, kirchlichen und lokalhistorischen Gründen allenfalls für die Wende vom 15./16. Jh. (also noch vor der Reformation) anzunehmen. Möglich ist nämlich, dass auch der Ort Pfaffenwiesbach mit seiner alten Kirche bei den Auseinandersetzungen in der Mainzer Stiftsfehde (1459/63), der auch einige kleinere Siedlungen um Ober-Mörlen herum (wie z. B. Hüfftersheim) zum Opfer fielen, in Mitleidenschaft gezogen und darum ein Kirchenneubau nötig wurde.

1541 führte Graf Ludwig von Stolberg die Reformation nach der Confessio Augustana in der Herrschaft Kransberg ein, weshalb in der Kirche dann evangelisch-lutherisch gepredigt wurde. Große Auswirkungen auf die Ausgestaltung der Kirche dürfte das jedoch - ganz im Gegensatz zu den reformierten Bilderstürmen in der benachbarten Wetterau - nicht gehabt haben.

Nach der Rekatholisierung des Ortes unter Kurmainzer Herrschaft (1606–1614), nach den Verwüstungen während des Dreißigjährigen Krieges (Schwedenherrschaft 1632 ff.), in dem die Kirche mit ziemlicher Sicherheit auch verwüstet oder zumindest zweckentfremdet wurde, und nach dem Herrschaftsantritt der Herren von Walpott in Bassenheim in der Herrschaft Kransberg (1654) erfährt das kirchliche Leben vor Ort wieder einen großen Aufschwung; die katholische Konfession festigt sich. 1682 setzt man die Usinger Gräfin Catharina de Clatton auf ihren persönlichen Wunsch hin in der Pfaffenwiesbacher Kirche zwischen Taufstein und Marienaltar unter einer gekennzeichneten Grabplatte bei. Nachdem an der Wende zum 18. Jh. die durch den Krieg verheerte Kirche wiederhergestellt und im Osten um einen Chorturm erweitert worden war, fand am 2. und 3. Oktober 1711 eine Neuweihe dieser "Chorturmkirche" statt; dabei wurden auch zwei neue Barockaltäre, zwei neue Glocken und der die Kirche umgebende Friedhof durch den Mainzer Weihbischof Johann Edmund Gedult von Jungenfeld neu gesegnet.

Wegen Platzmangels und der Baufälligkeit der alten Kirche – unter anderem hatten sich die Emporen (es gab eine im Westen und zwei übereinanderliegend im Norden) bedenklich gesenkt – begannen ab 1845 die Vorarbeiten für einen Kirchenneubau, die dann Pfarrer Simon Bohn (1851 bis 1868 Pfarrer in Pfaffenwiesbach) „unter unsäglichen Mühen“ vorantreibt. Nach der Verlegung des Friedhofs an den jetzigen Platz im Jahr 1855 kann endlich im Jahr 1859 mit dem Bau der heutigen neuromanischen Kirche nach Plänen des Höchster Architekten Musset begonnen werden - unter großem Einsatz der Pfaffenwiesbacher Gemeindemitglieder, die Grauschiefer in der naheliegenden Steinkaut für den Kirchbau brechen. Baumeister ist Christian Schmidt aus Usingen. Die Grundsteinlegung war am Georgstag (23. April) 1860, die feierliche Kirchweihe am 15. Mai 1862. Die Kosten für den Kirchneubau wurden durch Sonderholzfällungen, Sammlungen, Kollekten, Stiftungen und die Aufnahme von Darlehen aufgebracht. Glocken, Orgel und der barocke Hochaltar aus der alten Kirche wurden überarbeitet und dann übernommen. Zeitweise ist die Pfaffenwiesbacher St. Georgs-„Basilika“ (so benannt wegen ihres neuromanischen Baustils) die größte katholische Kirche im Usinger Land und auch Sitz des katholischen Dekans.

Wegen mangelhafter Grundmauerisolierung musste die Kirche bereits 24 Jahre nach der Einweihung einer Sanierung unterzogen werden, wodurch sich die Gemeinde stark verschuldete. Die Finanzierung erfolgte durch das Zusammenbetteln von „milden Gaben“ in ganz Deutschland.

Nach Amerika ausgewanderte Pfaffenwiesbacher Familien unterstützen ihre Heimatpfarrkirche durch Donationen (wie z. B. durch die Stiftung der neugotischen Seitenaltäre 1889 und 1914 bzw. der Elektrifizierung der Kirche im Jahr 1920) – ebenso wie der eine oder andere Pfarrer (z. B. die Stiftung des neugotischen Hochaltares 1891 durch Pfarrer C. Breuers, seine Schwester und einige Freunde aus deren Heimatstadt Hüls). Nach dem Einbau einer neuen Orgel (1911/12) durch den Limburger Orgelbauer Carl Horn und der Errichtung des Josefsaltars (1914) war zu Beginn des 20. Jahrhunderts die gesamte Kircheneinrichtung nach dem Geschmack der Zeit erneuert.

In den Jahren 1938–1943 fanden einige Renovierungen innen und außen an der Kirche statt.

Am Karsamstag 1945 riss beim Beschuss des Dorfes durch die Amerikanische Armee eine Granate ein großes Loch in den Kirchturm.

Zwischen 1954 und 1961 wurde die Kirche innen und außen gründlich renoviert, der Innenraum farbig gestrichen, die elektrischen Leitungen neu gelegt und eine Heizung eingebaut. Im Bestreben, einen „modernen Sakralraum“ zu gestalten, wurde im Zuge der Arbeiten ein Großteil der neugotischen Einrichtung entfernt. 1962 war mit Anschaffung einer neuen Weihnachtskrippe die Renovierung abgeschlossen.

Nach dem Zweiten Vatikanum wurde der Chorraum der neuen Liturgie angepasst.

Ab 1983 erfolgte schrittweise (und soweit noch möglich) die Wiederherstellung der alten Inneneinrichtung der Kirche (Kreuzweg, Hochaltar, diverse Statuen); auch der Innenraum wurde 1987 (zum 125jährigen Kirchenjubiläum) wieder in Anlehnung an die Entstehungszeit ausgemalt (nur der Sternenhimmel im Chor sowie die farbigen Muster in Tür- und Fensterbögen sowie im Chorbogen wurden nicht mehr realisiert).

Immer neue Renovierungeninnen und außen (zuletzt die teilweise Decken- und Dachgebälksanierung über dem südlichen Langhaus [2013/14] und die dringend notwendig gewordene Fassaden- bzw. Außensanierung des Kirchengebäudes durch Verputz [2015-2020]) sorgten für den Erhalt der Kirche. Insbesondere der weiße Putz veränderte das Aussehen der Kirche, die bisher eine Bruchsteinfassade hatte, deutlich. Die bisherige Tonschiefer-Fassade war zu 80 % auf der westlichen und zu 50 % an der restlichen Fassade geschädigt. Eine Sanierung mit Sichtsteinen hätte 4,5 Millionen Euro gekostet, die vorgenommene Putzlösung nur ein Viertel davon.

Im Zusammenhang mit KIS (der Kirchlichen Immobilien-Strategie) wird derzeit die Durchführung einer Machbarkeitsstudie erwogen, um zu prüfen, ob das Gebäude einer Mehrfachnutzung zugeführt werden kann, auch wenn es auch in Zukunft hauptsächlich Gottesdienstraum bleiben soll. Des Weiteren ist die Gründung eines Fördervereins angedacht, um den Bestand des Gebäudes auch langfristig zu sichern.

Eine ausführlichere Darstellung der Dorfgeschichte (und der seiner Kirche) findet sich unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Pfaffenwiesbach und https://de.wikipedia.org/wiki/St._Georg_(Pfaffenwiesbach)

 

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