Monika Korten
Geistliche Begleitung
01.11.2025
Bunt gefärbte Blätter, blauer Himmel – das Foto auf der Vorderseite des Miteinander-Pfarrbriefes scheint einen Monat zu spät zu sein. Haben wir uns im Redaktionsteam vertan? Ist es nicht eher ein Bild für den Oktober? November – damit verbin-den wir im ersten Moment doch eher Nebel, Kälte und Dunkelheit.
Dieser eher düsteren Wetterlage, die im November meist vorherrscht, entsprechen auch die Gedenktage: Allerheiligen, Allerseelen, Buß- und Bettag, Volkstrauertag. Das Thema „Tod“ rückt in den Blick, sowohl durch die Inhalte dieser Tage als auch in der Natur. Die Blätter fallen von den Bäumen, die Äste werden kahl, die letzten noch blühenden Sträucher verblühen und halten uns die Realität vor Augen: Jedes Leben auf der Erde hat einmal ein Ende.
Auch unser Foto hält diesen Aspekt fest: bunt gefärbte Blätter, die den Wandel in der Natur anzeigen. Noch sehen sie goldgelben aus; doch bald schon werden sie braun, fallen zu Boden und vermodern. Und dennoch ist da der blaue Himmel, die Sonne, deren Strahlen die Blätter in einem wunderbaren Licht erschei-nen lassen. Für mich ist dies ein Hoff-nungsbild: Die verwelkenden Blätter sind nicht wegzuleugnen, sie sind weiterhin da. Aber das Licht lässt sie anders erscheinen. Das macht mir Mut und schenkt mir Zuversicht.
Die jüdische Lyrikerin Hilde Domin benennt in ihrem kurzen Gedicht „Es knospt“ einen weiteren Aspekt, der uns im Herbst hoffnungsvoll aufhorchen lassen kann:
Es knospt
unter den Blättern
das nennen sie Herbst.
Schon im Herbst sind in den Knospen die Blätter und die Triebe für das kommende Jahr vorbereitet. Diese jungen Triebe sind durch Schuppen geschützt, so dass kein Wasser und auch keine Schädlinge eindringen können. Wie wunderbar: Im Herbst ist der Frühling schon da! Beides gehört untrennbar zusammen: Wir können in trostlosen Zeiten zugleich das Neue entdecken, ohne dass das Dunkle verschwindet. Der Tod bleibt, aber das neue Leben möchte auch schon anbrechen.
Mich erinnert diese Beobachtung aus der Natur an die Zusage Gottes, die er im alttestamentlichen Buch Jesaja macht: „Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?“ (Jes 43,19). Darauf möchte ich vertrauen – gerade auch im November.
Monika Korten